Mehrstimmigkeit — dieselbe Melodie, fünf Sätze
Fünf Sätze zum Anhören. Oben steht überall dieselbe Melodie; erst was darunter liegt, macht daraus Monophonie, Homophonie oder Polyphonie.
Wie viele Stimmen klingen, sagt noch nicht, wie ein Satz gebaut ist. Zwei Stimmen können denselben Weg gehen, sich gegenseitig begleiten oder jede für sich laufen — und das hört man sofort, auch ohne einen einzigen Fachbegriff zu kennen.
Auf dieser Seite steht deshalb fünfmal dieselbe Melodie. Sie ist in allen fünf Bildern Ton für Ton dieselbe, nachgerechnet aus dem Klang. Was sich ändert, liegt immer darunter: nichts, ein gleichlaufender zweiter Weg, zwei liegende Akkorde, eine eigenständige zweite Stimme, dieselbe Melodie noch einmal schlichter.
Die Namen dafür sind alt und beschreiben nichts anderes als das. Wer die fünf Bilder nacheinander anhört, braucht die Namen danach nur noch zum Nachschlagen.
Monophonie
Die Melodie allein. Es klingt zu keinem Zeitpunkt mehr als ein Ton — daran und an nichts anderem hängt der Name. Ob einer singt oder hundert im Einklang, ändert daran nichts; erst ein Ton, der gleichzeitig anders klingt, macht den Satz mehrstimmig.
Homophonie
Eine zweite Stimme geht im gleichen Rhythmus mit: jeder Einsatz trägt beide Stimmen, keine wartet auf die andere. So ist der Choralsatz gebaut, und so klingt ein Chor, der Akkorde singt. Die Melodie bleibt oben hörbar, weil sie höher liegt, nicht weil sie sich anders bewegt.
Melodie mit Begleitung
Unter der Melodie liegen Akkorde, die nur selten wechseln. Dadurch klingen an wenigen Stellen vier Töne auf einmal und dazwischen nur die Melodie. Das ist der Satz fast aller Lieder mit Gitarre oder Klavier: eine Stimme führt, der Rest trägt die Harmonie.
Polyphonie
Die zweite Stimme fängt später an und geht danach ihre eigenen Wege — anderer Rhythmus, andere Richtung, eigener Schluss. Genau das meint polyphon: nicht viele Töne, sondern mehrere Stimmen, von denen jede für sich etwas zu sagen hat. Der strenge Fall davon ist die Fuge.
Heterophonie
Beide Stimmen spielen dieselbe Melodie, nur die untere schlichter — sie nimmt jeden zweiten Ton und lässt den Rest weg. Deshalb hat jeder Ton unter der Melodie dieselbe Tonklasse wie der Ton darüber, und das ist in diesem Satz der Prüfstein. In Japan, Indonesien und der arabischen Musik ist das der gewöhnliche Fall.
Die fünf Sätze auf einen Blick
Jede Zeile nennt, was im Klang nachzuzählen ist: wie viele Töne gleichzeitig klingen, und woran der Satz zu erkennen ist. Die Zahlen stammen aus den Bildern dieser Seite, gemessen und nicht geschätzt.
| Satzart | Töne zugleich | Woran man es hört |
|---|---|---|
| Monophonie | 1 | Nie zwei Töne auf einmal |
| Homophonie | 2 | Jeder Einsatz trägt beide Stimmen |
| Melodie mit Begleitung | bis zu 4 | Die Begleitung setzt nur zweimal an |
| Polyphonie | 2 | Die zweite Stimme beginnt später |
| Heterophonie | 2 | Unten klingt derselbe Ton wie oben |
Was die Satzarten unterscheidet
Im einstimmigen Satz klingt nie mehr als ein Ton. Das ist die Monophonie — ein Lied ohne Begleitung, ein gregorianischer Choral, ein Kinderlied im Chor, bei dem alle dieselbe Melodie singen. Auch hundert Sänger im Einklang bleiben einstimmig.
Bewegen sich zwei Stimmen im gleichen Rhythmus, entsteht ein Akkordsatz: jeder Einsatz trägt beide Stimmen. Das ist die Homophonie im engeren Sinn, der Satz des Chorals. Liegt die Melodie dagegen über Akkorden, die nur selten wechseln, spricht man von Melodie mit Begleitung — der Satz fast aller Lieder mit Gitarre oder Klavier.
Gehen die Stimmen eigene Wege, setzen also versetzt ein und haben jede ihren eigenen Rhythmus, ist der Satz polyphon. Die Heterophonie schließlich ist der Sonderfall, den europäische Lehrbücher lange übersehen haben: zwei Stimmen spielen dieselbe Melodie, aber die eine schlichter als die andere. In der Musik Japans, Indonesiens und des arabischen Raums ist sie der Normalfall.
Was daneben steht
Wie zwei Stimmen zusammen geführt werden: Kontrapunkt. Was daraus wird, wenn ein Thema von Stimme zu Stimme wandert: Fuge. Wie die Abstände zwischen zwei Tönen heißen: Intervalle.
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Anotona ansehenAlle Töne auf dieser Seite sind gerechnet, nicht abgetippt — nach der Skalenregel, die auch bestimmt, dass Fis-Dur ein Eis hat und kein F.