Tempo
Acht Tempowörter auf derselben Melodie, jedes zum Anhören: dieselben acht Töne, achtmal — nur schneller und schneller.
Ein Tempowort lässt sich nicht erklären, es lässt sich nur hören. Deshalb steht auf dieser Seite achtmal dieselbe Melodie: acht Achtel, auf und ab. Was sich ändert, ist einzig, wie schnell sie kommen. Wer die Knöpfe der Reihe nach drückt, hört den Abstand zwischen Largo und Presto in etwa zwanzig Sekunden.
Die Wörter sind italienisch und bleiben es in jeder Ausgabe der Welt, wie forte und piano. Sie beschreiben zuerst eine Haltung und erst danach eine Geschwindigkeit: Largo heißt breit, Andante heißt gehend, Vivace heißt lebhaft. Genau deshalb steht über dem Notenbild eine Zahl daneben — sie ist ein Beispiel, keine Definition.
Largo
Breit. Das langsamste der üblichen Wörter — so langsam, dass zwischen den Tönen Raum bleibt und jeder für sich steht. Largo ist keine Anweisung zur Trägheit, sondern zur Weite: der Bogen über die Phrase muss trotzdem halten.
Schläge je Minute: 50
Adagio
Langsam, ruhig, behaglich. Das Tempo der langsamen Sätze in Sonate und Sinfonie. Anders als Largo bleibt hier eine durchgehende Bewegung spürbar; die Melodie geht, sie steht nicht.
Schläge je Minute: 70
Andante
Gehend. Das Wort kommt vom italienischen Gehen und meint genau das: die Geschwindigkeit eines ruhigen Schritts. Es ist das am meisten missverstandene Tempo — viele nehmen es für langsam, dabei liegt es in der Mitte.
Schläge je Minute: 92
Moderato
Gemäßigt. Weder schnell noch langsam, und damit das unauffälligste Wort der Reihe. Häufiger als allein steht es als Zusatz: Allegro moderato heißt schnell, aber nicht zu schnell.
Schläge je Minute: 114
Allegro
Schnell und heiter. Das Wort heißt wörtlich fröhlich, und der Charakter gehört dazu: Allegro ist nicht bloß rasch, sondern aufgeweckt. Es ist das häufigste Tempowort überhaupt und steht über den meisten ersten Sätzen.
Schläge je Minute: 144
Vivace
Lebhaft. Ungefähr so schnell wie Allegro, aber mit anderem Gestus — spritziger, leichter, mit mehr Betonung auf der Bewegung als auf der Melodie. Wo beide Wörter zusammen stehen, verstärken sie sich: Allegro vivace.
Schläge je Minute: 158
Presto
Sehr schnell. Hier hört die Melodie auf, eine Folge einzelner Töne zu sein, und wird zur Linie. Presto steht über Schlusssätzen und über allem, was vorwärtsdrängt.
Schläge je Minute: 184
Prestissimo
So schnell wie möglich. Das äußerste Wort der Reihe, und eher eine Herausforderung als eine Angabe: was möglich ist, hängt vom Instrument und von der Hand ab. Wer es wörtlich nimmt, verliert die Töne.
Schläge je Minute: 208
Warum die Zahl nur ein Beispiel ist
Das Metronomzeichen: Viertelnote gleich Zahl
Die Ausgaben geben zu jedem Wort einen Bereich an, und die Bereiche überlappen sich. Allegro und Vivace decken fast dieselbe Strecke ab; was sie unterscheidet, ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Art der Bewegung. Deshalb steht in keiner Partitur »Allegro« und darunter eine verbindliche Zahl — wer eine Zahl will, schreibt sie mit dem Metronomzeichen dazu, so wie es hier auf jedem Bild steht.
Der Bereich zu jedem Wort steht im Notenlexikon, und diese Seite nimmt daraus je einen Wert. Dass er wirklich darin liegt, rechnet die Probe nach: die Zahl kommt aus dem einen Ort, der Bereich aus dem anderen, und wenn beide auseinanderlaufen, schlägt es an.
Eine Sache noch, die oft schiefgeht: Das Metronomzeichen sagt, welcher Notenwert einen Schlag bekommt. Steht dort eine Viertelnote, zählt das Metronom Viertel; steht eine punktierte Viertel, zählt es die — im Sechsachteltakt ist das der Normalfall, und dieselbe Zahl bedeutet dann etwas ganz anderes.
Wenn das Tempo sich ändert
Die acht Wörter setzen ein Tempo. Drei weitere ändern es unterwegs: Accelerando zieht an, Ritardando lässt nach, und A tempo stellt danach das vorige wieder her. Sie stehen nicht auf dieser Seite, weil sie sich an einem einzelnen Bild nicht zeigen lassen — sie brauchen eine Strecke.
Notenzeichen · Dynamik · Artikulation · Notenlexikon
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Anotona ansehenAlle Töne auf dieser Seite sind gerechnet, nicht abgetippt — nach der Skalenregel, die auch bestimmt, dass Fis-Dur ein Eis hat und kein F.