Das Pedal am Klavier — und was es mit dem Klang macht
Fünf Fälle zum Anhören. Rechts steht jedes Mal dieselbe Stelle ausgeschrieben: so lang, wie sie unter dem Pedal wirklich klingt.
Der Fuß spielt mit. Tritt man das rechte Pedal, heben sich die Dämpfer von allen Saiten ab: ein angeschlagener Ton hört nicht mehr auf, wenn die Taste losgeht, sondern erst, wenn der Fuß das Pedal loslässt. Im Notenbild ändert sich dadurch keine einzige Note — im Klang ändert sich alles.
Genau das ist hier hörbar gemacht. Links steht die Stelle ohne Pedal: vier Viertel, jedes so kurz, wie es geschrieben ist. Rechts stehen dieselben Töne ausgeschrieben, jeder so lang notiert, wie er unter dem Pedal wirklich klingt. Beide Fassungen lassen sich anhören, und der Unterschied ist kein Bericht, sondern zu hören.
Warum ausgeschrieben und nicht einfach mit Pedalzeichen? Weil der Notensatz dieser Seite das Zeichen zwar sticht, aber nicht spielt. Stünde rechts nur das Zeichen, klänge es genauso kurz wie links, und die Seite behauptete stillschweigend, das Pedal täte nichts. Es tut aber etwas, und zwar das hier.
Pedalzeichen
Unter dem System steht das Wort Ped., und dort, wo der Fuß wieder loslässt, ein Stern. Die Noten darüber bleiben, was sie sind: vier Viertel. Rechts sind dieselben vier Töne so notiert, wie sie unter dem Pedal klingen — der erste hält bis zum Taktende durch, der zweite etwas kürzer, und am Schluss stehen alle vier zusammen. Das ist keine andere Musik, sondern dieselbe, ausgeschrieben.
Die Pedallinie
Dieselbe Stelle, dasselbe Pedal, andere Schreibweise. Statt Wort und Stern läuft unter dem System eine Klammer mit zwei Haken: der erste sagt, wo getreten wird, der zweite, wo losgelassen wird, und dazwischen sieht man auf einen Blick, wie lang das Pedal unten bleibt. In modernen Ausgaben ist das die übliche Form, gerade dort, wo oft gewechselt wird.
Der Pedalwechsel
Zwei Harmonien nacheinander. Der Haken in der Mitte der Linie heißt: loslassen und im selben Augenblick wieder treten. Rechts ist zu hören, was das bewirkt — die erste Harmonie klingt bis zum Taktstrich und ist dann weg, die zweite beginnt sauber. Der Wechsel steht genau auf dem Schlag, an dem die neue Harmonie einsetzt, nicht davor und nicht danach.
Pedal über den Harmoniewechsel hinweg
Dieselben zwei Harmonien, aber das Pedal bleibt unten. Rechts hängen die Töne des ersten Taktes mit Haltebögen in den zweiten hinein und klingen weiter, während die neue Harmonie schon spielt. Am Ende stehen acht Töne gleichzeitig im Raum. Manchmal ist genau das gewollt; meistens ist es der Fehler, den man am eigenen Spiel zuerst hört und zuletzt abstellt.
Das linke Pedal: una corda
Das linke Pedal verschiebt die Mechanik: der Hammer trifft weniger Saiten, der Ton wird leiser und matter. Geschrieben wird es als Wort, una corda, und aufgehoben mit tre corde. An Tonhöhe und Dauer ändert sich dabei nichts, und deshalb klingen die beiden Aufnahmen hier gleich — was sich ändert, ist die Farbe, und eine Farbe hat diese Aufnahme nicht.
Was im Bild steht und was im Klang
Für dasselbe Zeichen gibt es zwei Schreibweisen. Die ältere setzt das Wort Ped. dorthin, wo getreten wird, und einen Stern dorthin, wo losgelassen wird. Die neuere zieht eine Klammerlinie unter dem System, die genau so lang ist wie die Pedalstrecke — sie ist genauer, weil man das Ende sieht, statt es zu suchen.
Wann gewechselt wird, entscheidet die Harmonie. Wer das Pedal über einen Harmoniewechsel hinweg liegen lässt, lässt beide Harmonien gleichzeitig klingen; im vierten Beispiel ist das zu hören. Deshalb steht der Pedalwechsel im Notenbild fast immer genau auf dem Schlag, an dem die neue Harmonie einsetzt: loslassen und im selben Augenblick wieder treten, damit der neue Klang mitgenommen wird und der alte draußen bleibt.
Das linke Pedal ist etwas anderes. Es verschiebt die Mechanik, sodass weniger Saiten angeschlagen werden; der Ton wird leiser und matter, aber nicht länger. Es steht als Wort da, una corda, und aufgehoben wird es mit tre corde. In der Aufnahme dieser Seite hört man davon nichts — sie kennt Tonhöhe und Dauer, aber keine Klangfarbe.
Was daneben steht
Die Notenwerte und ihre Längen: Notenwerte. Wie man ein Notenbild von vorn liest: Noten lesen lernen.
Notenzeichen · Pedalzeichen · Notenlexikon
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Anotona ansehenAlle Töne auf dieser Seite sind gerechnet, nicht abgetippt — nach der Skalenregel, die auch bestimmt, dass Fis-Dur ein Eis hat und kein F.